So, jetzt finde ich also mal wieder etwas Zeit fuer einen neuen Eintrag…
Entschuldigt falls mein letzter Bericht sich angehoert hat, als ob es mir nicht so gut geht…Das ist nicht der Fall, auch wenn die Schere zwischen arm und reich hier schon immer gegenwaertig ist und die Balance dazwischen manchmal schwer ist. Aber wir erleben hier immer wieder viele schoene und lustige Momente die helfen, damit umzugehen.
Fuer viele Menschen gelten wir durch unsere Hautfarbe als Amerikaner, was mit Reichtum gleich gesetzt wird (auch wenn wir das im Verhaeltnis zu den meisten Filipinas und Filipinos wohl auch wirklich sind). Oft werden wir, wenn wir an Bretterbuden vorbeikommen von Kinder freudig mit „Hey Joe“ begruesst….
Gerade sind wir aus dem Mambucal Resert gekommen, eine Ferienanlage fuer Filipinos und Filipinas. Wir sind zusammen mit unseren Gastgebern hier in Bacolod gefahren. Die Bungalows lagen in einem Forest-Gebiet. Das spektakulaerste waren eigentlich die Wasserfaelle, zu denen man haette gehen koennen, aber durch einen Erdrutsch waren diese gesperrt…
Aber der umgebende Wald hinterliess dennoch einen Eindruck von „Dschungel“, hohe Baeume mit Lianen, vielen Blumen und Flughunde!
Es war schon ein beeindruckendes Schauspiel, als diese gestern Abend unter lautem Geschrei ausflogen und es dazu noch blitzte und donnerte! Kurze Zeit spaeter war der Himmel wieder sternenklar und wir konnten unser Bier beim rauschen eines Wasserfalles, gezirrpe von Grillen und gequake von Froeschen geniessen….
Heute morgen hab ich dann noch ein Bad in einer heissen Quelle genossen, auch wenn die Wassertemperatur angesichts der Aussentemperatur, nicht unbedingt noetig war….
Hab aber heute auch erzaehlt bekommen, dass der Koordinator der „relief-mission“, wofuer wir am 23 die Insel ueberquerrt haben, vom Militaer bedroht wird….
Es hat sich um Essens- und Bekleidungspakete fuer ein von Militarisierung betroffenes Gebiet gehandelt. Haeufig bedeutet die Stationierung des Militaers in einem Gebiet, dass Menschen aus ihren Haeusern vertrieben werden oder das Militaer sich ungefragt Zutritt verschafft und sich nimmt was es braucht. Fuer die Leute auf dem Land, die gerade von der Hand in den Mund leben, kann dies bedeuten, dass sie fuer ihre Familie eine Mahlzeit weniger haben.
Frueh morgends um 5 haben wir am Tag vor Weihnachten einen kleinen Truck mit den Paketen beladen und uns selbst noch irgendwie auf die Ladeflaeche gezwaengt…Dann ging es los ueber die Berge der doch wunderschoenen Insel Negros, vorbei an kleinen Doerfern, Marktstaenden…. und immer wieder ein atemberaubender Blick ueber Zuckerrohrplantagen auf die Berge und schliesslich auch aufs Meer.
In einem kleinen Dorf, mussten wir dann nochmal auf einen groesseren Truck umladen, weil unser das extrem unebene Gelaende in das betroffe Dorf wohl nicht bewaeltigt haette.
Endlich angekommen mussten wir schnell feststellen, dass wir vom Militaer umstellt waren… Vorher wurde um Polizeischutz gebeten, da die Bevoelkerung Angst vorm Militaer hatte, diese kam nur leider in Begleitung.
Da Daniel und ich vorher darum gebeten hatten nicht mit bei der Verteilung dabei zu sein, da die Menschen einen sonst schnell als die „weissen Geber“ sehen, wurden wir mit der Aufgabe betreut, Photos zu machen. Eine wohl gegenseitige Aktion.
Vielleicht da wir “ Weissen“ mit waren, so zumindest die Ansicht einiger Anwesenden, war das Militaer eher zurueckhaltend. Andere relief missions werden wohl vorher vom Militaersperren aufgehalten, oder es ist niemand da, da den Menschen mit Festnahme gedroht wird, sollten sie ihre Pakete abholen kommen…
Aber in unserem Fall konnten nach einem kurzen Snack, bestehend aus Suesskartoffeln, die Pakete an die Anwesenden uebergeben werden. In der Zwischenzeit konnten wir uns noch kurz mit Hilfe von StudentInnen, die uns begleitet haben mit ein paar sehr schuechternen Maedchen unterhalten, die nochmal schon bekanntes erzaehlten: dass sie nicht auf eine weiterfuehrende Schule gehen koennen, da sie arbeiten muessen und die Uniformen, den Schulweg…nicht bezahlen koennen und haeufig mit 14 aufwaerts heiraten….
Nachdem wir Mittag gegessen hatten und alle Pakete verteilt waren, haben wir noch einige Stunden in der Sonne gesessen und dabei auf den Truck gewartet, der uns abholen sollte (das warten ist hier nichts allzu ungweoehnliches!). Dabei haben wir ein Weihnachtslied, welches wir zuvor von Kindern aufgeschnappt haben, gesungen und dessen Ende nur aus „Boomteratara, boomteratara, terata terata, boom, boom, boom“ besteht. So konnten wir schnell mitsingen.
Wir haben jedenfalls alle amuesiert und sind amuesiert worden, besonders als ich auch noch den dazu gehoerigen Tanz beigebracht bekommen habe.
Irgenwann ist dann auch das Militaer unter unseren Boomterataras abmarschiert.
Wie wir spaeter feststellen mussten, nicht ohne unseren Truck, der im Dorf geparkt war kaputt zu machen: Als wir dorthin zurueckkamen, stellten wir fest, dass ein Reifen ausgewechselt werden muss und der Wagenheber geklaut war…
Aber das wurde dann doch schnell geregelt und wir haben uns wieder alle auf die Ladeflaeche gesetzt und sind losgefahren. Irgendwann stellte der Fahrer dann allerdings fest, dass auch versucht wurde den Motor zu zerstoeren und an der Lenkung etwas nicht in Ordnug war. Angesichts einer bergigen und kurvigen Strecke, eher unguenstig. Aber zum Glueck hatten wir einen geschickten Fahrer, der einen Unfall vermeiden konnte und uns sicher ins stehen bringen konnte. Angesichts diesen „beinahe Unfalls“ mussten wir aussteigen, es war bereits dunkel geworden… Irgendwann habe wir aber doch noch den letzten Bus nach Bacolod erwischt.
Zuhause bin ich dann todmuede ins Bett gefallen…
Am Vormittag des 24. Dezembers haben wir mit mehreren Leuten politische Gefangene im Gefaengnis von Bacolod besucht. Die Athmosphaere und Bedingungen da, haben mich zunaechst etwas bedrueckt, was durch meine Magenkraempfe nicht besser wurde…
Abends ging es Bauch und Stimmung dann aber besser und wir sind zur Familie von einer Freundin Hannahs gefahren und dort in eine katholische Kirche gegangen.
Es hat sich um ein kleines Dorf gehandelt. Nach einer Sekunde hatte uns wohl jeder bemerkt und irgend so ein Wuerdentraeger hat uns persoenlich begruesst, worueber ich mich haette aufregen koennen, da er das offensichtlich nur wegen unserer Hautfarbe tat.
Anschliessend sind wir mit Hilfe von Taschenlampen, ueber Trampelpfade zurueck gegangen und haben gegessen. Da wir alle sehr muede waren und Weihnachten hauptsaechlich aus Kirche besteht, sind wir schnell ins Bett gegangen. Ich bin auch waehrend der Messe beinahe schon eingeschlafen, wollte es als wie andaechtiges beten aussehen lassen, aber Daniel und Hannah haben mich durchschaut!
Beim Essen wurden wir von einer Nachbarin begleitet, die alleine war und ihre Tochter vermisst, die mit ihrem Ehemann „in die Berge gegangen ist“ und sich den „Rebellen“ angeschlossen hat. Ihr Mann wurde verschleppt, wo sie sich aufhaelt weiss keiner. So holt einen die Realitaetb eines Buergerkrieges doch immer ein.
Am 25. Dezember sind wir dann nochmal auf eine Hacienda gefahren und haben bei einer sehr netten Familie gewohnt! Da diese direkt am Meer lag, haben wir auch die Delikatessen wie Krebse, Muscheln und Schnecken kennen gelernt. Frisch vom Strand aufgesammelt und besonders letzters hat mich eher geekelt. Beim Essen eines Krebses kam bei mir im Mund auch nicht viel an, was fuer Belustigung sorgte. Fuer mich bestand alles aus Schale und ich war total ueberfordert. War darueber aber eher froh, besonders da wir vorher eine leckere Kokusnuss gegessen hatten und einem die Krebse (genau wie die Fische) halt noch angucken….
Unser Schlafpklatz war direkt ueber dem Schwein und Haehnen (fuer Hahnenkampf heran gezuechtet). Dachte morgends jetzt wirds geschlachtet, so sehr hat es gequietscht!
Die Arbeitsbedingungen der Menschen waren aber auch hier sehr hart, da nach 8 Stunden wirklich harter Arebit, noch nichtmal immer Mahlzeiten fuer die Familie garantiert sind und der Landbesitzer keine Arbeitsgeraete zur Verfuegung stellt. So muessen die Menschen auf ihre Macheten und teilweise Wasserbueffel zurueckgreifen.
Die Toilette befand sich im Feld, was ich ueberhaupt kein Problem fand, bis ich mir eingeredet habe dass es bestimmt giftige Schlangen und Spinnen gibt….aber das Problem hatte ich nur bei Dunkelheit! Auch beim duschen am Brunnen in Kleidung (Badeanzug ist nicht drin) hab ich mich zunaechst eher ungeschickt angestellt, auch wenn ich so langsam lerne….
Am letzten Abend hat unser Gastgeber uns gebeten uns in seiner Bibel zu verewigen. Das war irgendwie sehr ruehrend, besonders da er mir auch noch sorgfaeltig alte Schuhe repariert und geschent hat, da meine Sandalen gerissen waren.
Auf dem Weg zurueck nach Bacalod sind wir an einer anderen Hacienda vorbei gekommen und waren bei sacadas oder migrant worker, die nicht fest zu einer Hacienda gehoeren, sondern auf der Suche nach Arbeit von Hacienda zu Hacienda ziehen muessen. 65 Menschen haben zusammen in einer einraum Bambushuette gewohnt, konnte mir die Anzahl der Menschen darin gar nicht wirklich vortsellen!
So, entschuldigt die Laenge des Berichtes. Morgen fahren wir nach Panay um dort Silvester zu feiern und dann am ersten dann nach Boracay, eine kleine Insel mit angeblich den schoensten Straenden hier….
Ich hoffe ihr kommt auch alle gut ins neue Jahr und wuensche euch alles Gute fuer 2008!