Cleanliness is next to godliness – Erste Eindruecke aus Manila

By phili0708

Oi, Oi aus Manila.

Jetzt bin ich also auch Blog-Wart, ob erfolgreich und interessant ist eine andere Frage. Aber lest selbst…(Ich schreibe glaub ich oft in Wir-Form, hab das aber nicht von Farina autorisieren lassen)

Seit drei Tagen sind wir nun in Manila, so langsam fangen wir an, uns an die Stadt und die Besonderheiten zu gewoehnen. Vor allem der erste Tag war doch ziemlich verstoerend, allein die Fahrt vom Flughafen: Unglaublicher Verkehr, ueberall Jeepneys (eine MIschung aus Jeep und Bus) und Gehupe, Gehupe, Gehupe. Auszerdem Gehupe. Wir fahren vorbei an den ersten Slums, ein Teenager drueckt sein Gesicht an die getoente Scheibe unseres Toyota-Vans und bittet um Geld. Unser Fahrer Mhehl sagt, wir sollen ihm nichts geben, wir sind Linke, wir sind reich, wir tun natuerlich, was Mhehl sagt. „Es sind zuviele“ „Das aendert sowieso nichts“ „Wenn wir einem etwas geben, kommen alle anderen und wollen auch etwas“ – Die Diskussion wird uns die naechsten Tage begleiten, wenn Kinder irgendwas von „Americano“ singend und klatschend hunderte Meter neben uns her laufen, wenn ein Kind Farinas 0,33l Wasserflasche will, usw. Jetzt haben wir beschlossen, am letzten Tag vor der Abreise die Rest-Pesos zu verteilen, so faellt zumindest im Moment das „No“-Sagen leichter. Nach den Slums kommen Haeuser, die eigentlich auch wie Slums aussehen, aber der Begriff ist ja schon durch die Blechhuetten besetzt…

Unsere Unterkunft erleichtert uns dann etwas, das UCCP SHALOM CENTER (Mail to: shalom88@…nanu?) ist nicht so schlimm christlich wie gedacht, auch wenn in der Hausordnung zu lesen ist: Cleanliness is next to godliness. Die Klima-Anlage schaltet Mhehl sofort auf die hoechste Stufe, als er mir mein Zimmer zeigt, als er weg ist, schalte ich sie direkt ab. Nach 14 Stunden Flug muss das ja nicht auch noch sein. Nach einer halben Stunde schwitzen schalte ich sie wieder an. Nach 14 Stunden Flug ist das jetzt auch egal. Mein Zimmer heisst Arabah nach einem Tal, in dem die Israeliten beim Auszug aus Aegypten Pause gemacht haben, der Bewohner wird aufgefordert, die Rolle der UN waehrend seines Besuchs zu reflektieren. Das die UCCP eine sehr politische Kirche ist, faellt uns dann auch auf, als wir uns mit unserer Ansprechperson hier in Manila treffen. Sie ist Christin, glaubt aber v.a. an das „Life after birth“ und versucht die Situation der Aermsten in Manila zu verbessern. Ohne Massenbasis keine Veraenderung, sagt sie (sagt meines Erachtens auch Rosa Luxemburg…). Auch ansonsten redet sie sehr offen ueber die Situation in den Philippinen: 7 ihrer KollegInnen wurden in den letzten Jahren vom Militaer ermordet.

Beim Laufen durch die Altstadt Manilas (Intramuros) werden wir angestarrt, ueberall Haendler, Pferdekutschen, Fahrradtaxis, nur keine Touristen. Umso haeufiger werden wir angesprochen, aber nicht nur von Haendlern: Auch die anderen BewohnerInnen sind offensichtlich erstaunt, uns hier zu sehen, v.a. Kinder koennen ihre Verwunderung kaum verbergen. Immer wieder kommt es vor, dass sie stehen bleiben und uns mit offenen Muendern nachstarren. Mittlerweile koennen wir darueber aber lachen. Ich werde oft gefragt, wie gross ich bin, LKW Fahrer lachen sich tot, wie wir versuchen, 4 spurige Straszen ohne Ampel zu ueberqueren und rufen „Hey Joe“ – Hier sind wir alle Amerikaner.

Der Geruch Manilas ist nicht so angenehm, krasser Smog, und ueberall wird etwas gebraten, was einfach widerlich stinkt, egal was es ist (wir haben noch nicht rausgefunden, woran es liegt). Dafuer gibt es hier koestliche Bananen zu kaufen, in einer Art Honigmantel gebraten oder so (ich gestehe meine kulinarische Ahnungslosigkeit), ich koennte mich hineinlegen. Die Mangos, die wir kaufen, schmecken aber wie sehr saure Aepfel, am Ende sind das gar keine Mangos.

Heute begann dann nach der Jet-Lag Pause unser eigentliches Programm. Wir waren bei einer Weihnachtsfeier von Obdachlosen, veranstaltet von eben jener UCCP. Ich war etwas nervoes, schlieszlich sind uns Obdachlose in den letzten tagen zu oft begegnet. Die kindliche Froehlichkeit und Freundlichkeit, das Interesse uns gegenueber hat mich dann aber sehr ueberrascht. Die Weihnachtslieder wurden mit groszem Engagement gesungen, staendig wird geklatscht und gelacht, vor allem die Ausgelassenheit bei so bescheidenen Spielen wie Reise nach Jerusalem (Farina hat sich nur sehr, sehr maeszig geschlagen, meine Leistung beim irgend-ne-exotische-frucht-ueber-loeffel-im- mund-weitergeben-in-natuerlich-geschlechtergetrennten-mannschaften-waer-ja-noch-schoener war wesentlich bemerkenswerter) war ziemlich beeindruckend. Ein Kind sollte seiner Mutter die Geschenke-Tuete hertragen, die Tuete war aber zu schwer, das Kind bekam darueber einen richtigen Lachanfall. Ich weisz nicht, ob es mir gelingt, die Atmosphaere etwas herueberzubringen, Farina und ich waren sehr bewegt.

Morgen beginnt unser zwei-taegiges Exposure in einem der Slums von Manila. Wir sind etwas nervoes, ob wir es schaffen werden, nicht die Abenteuer-Elends-Touristen zu sein, sondern wirklich was ueber die Leute zu lernen und ihnen vielleicht mehr geben zu koennen als unsere Wohlstands-Mitbringsel. Es wird sicher nicht leicht.

Kontakte zur lokalen Antifa konnte ich noch keine knuepfen…kommt aber noch, bin mir sicher.

Liebe Gruesze ans Ende der Welt (alles eine Frage der Perspektive) – There is a light that never goes out

Daniel

2 Antworten zu „Cleanliness is next to godliness – Erste Eindruecke aus Manila“

  1. Joparis sagt:

    Einen Wal-Doener mit dreifach Fleisch bitte. Und lassen sie verdammtnochmal das Gruenzeug weg. Wie gehts dir so auf Helgoland?

  2. Potze sagt:

    Great Reading. Klingt als würde es eucht gut gehen… I’m so jealous. Und was hat es eigentlich mit dem Daniel P. hier auf sich?

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