„Learn to read now – start to lead later“

Dezember 30, 2007

(Werbespruch einer Schule auf Negros) 

oi oi! 

3 Wochen Philippinen, erst der 3. Blog-Eintrag. Ein Grund koennten die unglaublich kalten Internet-Cafes sein…wir frieren hier wie ihr, und wissen, dass es drauszen 30 Grad hat.

Ich bin wieder in Bacolod, aber nur sehr vorruebergehend. Nachdem die Tage so um Weihnachten herum doch recht anstrengend waren, nehmen wir uns jetzt vor, uns etwas zu entspannen und endlich die Koerperbraeune zu erlangen, die ihr schlieszlich auch erwartet. Darum geht es nach Sylvester nach Boracay, einer Touri-Insel im Nordwesten von Panay, wiederum im Westen von Negros, wo wir jetzt sind. Die naechsten Tage werden also neben mit Sylvester-Feiern (Gibts da was zu feiern?) vor allem mit Reisen gefuellt sein…Dann winken neben 80% koreanischen Touristen, einem weltklasse-Golfplatz, unzaehligen Karaoke-Bars (die hoffentlich einen groszteil der ersteren Schlucken) wohl auch einer der schoensten Straende der Welt…naja. Ich kenn da einen auf Usedom und bin skeptisch.

Doch eins nach dem anderen. Am 23. hatten wir die Gelegenheit, eine Hilfslieferung des Center for Peoples Ressources and Services zu begleiten, der NGO, bei der eine unserer momentanen Gastgeberinnen arbeitet. Lebensmittel und Medikamente fuer ein kleines Dorf in den Bergen, das in letzter Zeit sehr von der „Militarisierung“ betroffen ist. Militarisierung heiszt hier, dass das Militaer im Kampf gegen die linken Guerilleros nicht mehr in Kasernen oder Lagern wohnt, sondern direkt in den Doerfern einzelne Haeuser in Besitz nimmt, es kommt immer wieder zu Vertreibungen (hier euphemistisch Evakuierungen genannt) und anderen Menschenrechtsverletzungen, die Soldaten leben auf Kosten der Einwohner, die als ZuckerrohrarbeiterInnen selber nicht genug zum leben haben. Ein Dorfbewohner wurde bereits ermordet. Insgesamt sind wir wohl ca. 15, die auf dem kleinen LKW sitzen, je mehr desto geringer die Moeglichkeit, dass das Militaer dem Transport Probleme macht – da ist es auch praktisch, dass Hannah, Farina und ich „Weisze“ sind, da sind sie vorsichtiger. Bloede Rassisten.

Die letzten Kilometer vor dem Dorf geht es dann endlich nicht mehr durch endlose Zuckerrohrplantagen und vorbei an trostlosen Huetten sondern durch Gebirge mit schoenen (Aus-)Blicken, in einem Dorf muessen wir von unserem Truck auf einen groeszeren Wechseln. Hier dann der erste Kontakt mit dem Militaer: In Zivil werden wir gefragt, wer unser „leader“ ist und was wir hier machen.  Als wir in dem Barangay ankommen, fuer das die Lieferung bestimmt ist, werden wir freundlich, neugierig, schuechtern empfangen, es gibt Sueszkartoffeln und Kaffee (hier gibt es fast nur Instant-Kaffee, eh schon suesz, dafuer wird er sehr duenn getrunken, auch, weil sich die meisten ihn nicht dicker leisten koennen,  dafuer schon mal mit zwei essloeffeln zucker pro tasse nachgesuesst…). Die Ruhe ist nur kurz, das Militaer kommt, Soldaten umstellen das kleine Dorf (3/4 Huetten), zeigen Zaehne, naja, eher ihre Gewehre. Die Leute von der NGO verhandeln, wir aus Europa machen Fotos, bei uns gehen sie nur weg und sagen nichts. Bloede Rassisten.

Die unzaehligen Kinder, die auch in diesem Barangay schauen eingeschuechtert auf die Soldaten und spielen weiter, fuer sie ist das kein 4 Wochen Abenteuer wie fuer uns. Nach dem Verteilen der Lebensmittel (das Militaer greift nicht ein, der Dorfpolizist macht Fotos) bekomme ich das Megaphon in die Hand, wir warten auf den Truck und versuchen, mit den Kindern des Dorfes das einzige philippinische Pseudo-Weihnachtslied zu singen, das wir kennen (vollstaendiger Text: Boomterata, Boomterata, Boom, Ariri, ariri, boom boom boom oder so), die haben aber eher Angst, wir alle Spasz, so geht es auch, als die Soldaten beschlieszen, an uns vorbei abzuziehen, wir singen noch lauter, vor allem boom boom boom, wir haben ja auch noch das Megaphon, es ist lustig. Soldaten auslachen. Wir sind ja gleich weg.

Denken wir zumindest. Zurueck in dem Dorf, wo wir den Truck wechseln muessen, ist an unserem Auto der Reifen zerschnitten, jemand hat versucht, den Motor zu zerstoeren, aber es hat nicht geklappt. „It is a miracle“ sagt unser Fahrer und prueft erstmal alleine die Bremsen, bevor wir zusteigen. Boomterata Boom. Nach Zwei Stunden muessen wir in den Bus umsteigen, das Auto ist kaputt (Zwei Stunden vorbei an Wasserbueffeln, quiekenden Schweinen, Reisterrassen und Sonnenuntergaengen).

An Heiligabend sind wir zu Besuch im Gefaengnis von Bacolod, hier sitzen 5 politische Gefangene und warten auf ihren Prozess. Einer von ihnen war bei seiner Festnahme 17, am 21. Januar wird er 19. Wenn ich die eifrigen Erklaerungen unserer philippinischen Begleitungen richtig verstehe, hat ihn das Militaer gezwungen, sie zu einem Lager der New Peoples Army zu fuehren, also der Guerillas. Dort haben sie ihm Waffen in die Hand gedrueckt und Fotos gemacht, jetzt wartet er auf einen Prozess wegen illegalem Waffenbesitz. Man sieht ihm sein Alter an, wenn er nicht gerade auf den Boden schaut. Die anderen sind auch nicht viel aelter und trinken schuechtern an ihrem eilig bestellten Soft-Drink, der Besucher-Raum ist grosz, leer und dunkel, ueber drei leeren Regalen steht Bacolod County Jail Reading Center, ueber einem Jesus-Bild „Jesus we trust in you“, um uns herum viele Familien, weinende Kinder. Einer der Gefangenen hat keinen Topf, in dem er sich etwas zu essen machen koennte. Besucht werden sie hoechstens einmal im Jahr, sie kommen aus armen Familien die sich die Fahrt nach Bacolod nicht leisten koennen. Verurteilt sind sie nicht.

Unser Weihnachten verbringen wir in Cadiz, gehen in die Kirche, in der fast nur Frauen und Kinder sind, was den Groeszenunterschied nochmal deutlicher macht. Alle starren uns an, als wir in die Kirche gehen, die Knie-Bank gibt bedrohlich unter unserem Gewicht nach…Farina schlaeft neben mir im Stehen ein, ich habe etwas Angst dass sie beim aufwecken umfaellt, aber es haut hin. An den Waenden paaren sich Eidechsen.

Am 25. sind wir wieder auf einer Exposure. Wir wohnen bei Domingo und seiner Familie, schwingen selber mal kurz die Machete im Zuckerfeld, trinken mit Donmingo philippinischen Whiskey, schlafen direkt ueber dem Schweinestall, der nur durch duenne Bambuslatten von uns getrennt ist, was sehr romantisch ist, aber sowohl das Schwein als auch der Hahn, der auch im Schweinestall wohnt, sind recht laut. Verstaendigung faellt diesmal eher schwer, sie sprechen zu wenig englisch. Doch wir kennen die Probleme ja schon: Zu wenig Lohn, die Kinder zur Schule zu schicken, fuer ausgewogene Ernaehrung (Domingo geht im Meer, dass direkt hinter den Mangroven an der Huette beginnt, fischen), je nach Taetigkeit zwischen 50 und 130 Pesos am Tag, 1-2 Euro. Hier wohnt der Landlord, also der Landbesitzer gleich mit im Dorf, seine Villa sticht aus den Huetten jedoch etwas hervor. Ich frage unsere Begleitung, ob der nicht Angst hat vor dem Zorn der Sugar worker. Umgekehrt, sagt er. Er uebt hier oft schieszen mit seinen Angestellten. Take me to the Riot.

Spaeter kommen zwei Missionare von der Baptisten Kirche „New Life“ zu besuch, endlich kann jemand englisch, aber bei denen haetten wir drauf verzichten koennen. „Do you know Jesus Christ in Germany?“ Junge, der Papst ist Deutscher. Ich sags etwas freundlicher. In Jesus we trust. Als wir gehen, schreibt sich Domingo unsere Namen auf die erste Seite seines Neuen Testaments. Er wiederholt fuer uns nochmal seinen namen, den seiner Frau und will, dass wir ihn nochmal fotografieren. Wir haben ihn liebgewonnen die letzten drei Tage, aber die Sprache steht zwischen uns.

Der Eintrag ist schon viel zu lang, so weit liest ja doch keiner, und drum belaestige ich euch nicht noch mit Geschichten von Flughunden, Vogelspinnen und Motten, die groeszer sind als meine Hand. Bin ja auch bald wieder zu hause.

Love Replaces Fear

Daniel

Boomteratara

Dezember 30, 2007

So, jetzt finde ich also mal wieder etwas Zeit fuer einen neuen Eintrag…

Entschuldigt falls mein letzter Bericht sich angehoert hat, als ob es mir nicht so gut geht…Das ist nicht der Fall, auch wenn die Schere zwischen arm und reich hier schon immer gegenwaertig ist und die Balance dazwischen manchmal schwer ist. Aber wir erleben hier immer wieder viele schoene und lustige Momente die helfen, damit umzugehen.

Fuer viele Menschen gelten wir durch unsere Hautfarbe als Amerikaner, was mit Reichtum gleich gesetzt wird (auch wenn wir das im Verhaeltnis zu den meisten Filipinas und Filipinos wohl auch wirklich sind). Oft werden wir, wenn wir an Bretterbuden vorbeikommen von Kinder freudig mit „Hey Joe“ begruesst….

Gerade sind wir aus dem Mambucal Resert gekommen, eine Ferienanlage fuer Filipinos und Filipinas. Wir sind zusammen mit unseren Gastgebern hier in Bacolod gefahren. Die Bungalows lagen in einem Forest-Gebiet. Das spektakulaerste waren eigentlich die Wasserfaelle, zu denen man haette gehen koennen, aber durch einen Erdrutsch waren diese gesperrt…

Aber der umgebende Wald hinterliess dennoch einen Eindruck von „Dschungel“, hohe Baeume mit Lianen, vielen Blumen und Flughunde!

Es war schon ein beeindruckendes Schauspiel, als diese gestern Abend unter lautem Geschrei ausflogen und es dazu noch blitzte und donnerte! Kurze Zeit spaeter war der Himmel wieder sternenklar und wir konnten unser Bier beim rauschen eines Wasserfalles, gezirrpe von Grillen und gequake von Froeschen geniessen….

Heute morgen hab ich dann noch ein Bad in einer heissen Quelle genossen, auch wenn die Wassertemperatur angesichts der Aussentemperatur, nicht unbedingt noetig war….

Hab aber heute auch erzaehlt bekommen, dass der Koordinator der „relief-mission“, wofuer wir am 23 die Insel ueberquerrt haben, vom Militaer bedroht wird….

Es hat sich um Essens- und Bekleidungspakete fuer ein von Militarisierung betroffenes Gebiet gehandelt. Haeufig bedeutet die Stationierung des Militaers in einem Gebiet, dass Menschen aus ihren Haeusern vertrieben werden oder das Militaer sich ungefragt Zutritt verschafft und sich nimmt was es braucht. Fuer die Leute auf dem Land, die gerade von der Hand in den Mund leben, kann dies bedeuten, dass sie fuer ihre Familie eine Mahlzeit weniger haben.

Frueh morgends um 5 haben wir am Tag vor Weihnachten einen kleinen Truck mit den Paketen beladen und uns selbst noch irgendwie auf die Ladeflaeche gezwaengt…Dann ging es los ueber die Berge der doch wunderschoenen Insel Negros, vorbei an kleinen Doerfern, Marktstaenden…. und immer wieder ein atemberaubender Blick ueber Zuckerrohrplantagen auf die Berge und schliesslich auch aufs Meer.

In einem kleinen Dorf, mussten wir dann nochmal auf einen groesseren Truck umladen, weil unser das extrem unebene Gelaende in das betroffe Dorf wohl nicht bewaeltigt haette.

Endlich angekommen mussten wir schnell feststellen, dass wir vom Militaer umstellt waren… Vorher wurde um Polizeischutz gebeten, da die Bevoelkerung Angst vorm Militaer hatte, diese kam nur leider in Begleitung.

Da Daniel und ich vorher darum gebeten hatten nicht mit bei der Verteilung dabei zu sein, da die Menschen einen sonst schnell als die „weissen Geber“ sehen, wurden wir mit der Aufgabe betreut, Photos zu machen. Eine wohl gegenseitige Aktion.

Vielleicht da wir “ Weissen“ mit waren, so zumindest die Ansicht einiger Anwesenden, war das Militaer eher zurueckhaltend. Andere relief missions werden wohl vorher vom Militaersperren aufgehalten, oder es ist niemand da, da den Menschen mit Festnahme gedroht wird, sollten sie ihre Pakete abholen kommen…

Aber in unserem Fall konnten nach einem kurzen Snack, bestehend aus Suesskartoffeln, die Pakete an die Anwesenden uebergeben werden. In der Zwischenzeit konnten wir uns noch kurz mit Hilfe von StudentInnen, die uns begleitet haben mit ein paar sehr schuechternen Maedchen unterhalten, die nochmal schon bekanntes erzaehlten: dass sie nicht auf eine weiterfuehrende Schule gehen koennen, da sie arbeiten muessen und die Uniformen, den Schulweg…nicht bezahlen koennen und haeufig mit 14 aufwaerts heiraten….

Nachdem wir Mittag gegessen hatten und alle Pakete verteilt waren, haben wir noch einige Stunden in der Sonne gesessen und dabei auf den Truck gewartet, der uns abholen sollte (das warten ist hier nichts allzu ungweoehnliches!). Dabei haben wir ein Weihnachtslied, welches wir zuvor von Kindern aufgeschnappt haben, gesungen und dessen Ende nur aus „Boomteratara, boomteratara, terata terata, boom, boom, boom“ besteht. So konnten wir schnell mitsingen.

Wir haben jedenfalls alle amuesiert und sind amuesiert worden, besonders als ich auch noch den dazu gehoerigen Tanz beigebracht bekommen habe.

Irgenwann ist dann auch das Militaer unter unseren Boomterataras abmarschiert.

Wie wir spaeter feststellen mussten, nicht ohne unseren Truck, der im Dorf geparkt war kaputt zu machen: Als wir dorthin zurueckkamen, stellten wir fest, dass ein Reifen ausgewechselt werden muss und der Wagenheber geklaut war…

Aber das wurde dann doch schnell geregelt und wir haben uns wieder alle auf die Ladeflaeche gesetzt und sind losgefahren. Irgendwann stellte der Fahrer dann allerdings fest, dass auch versucht wurde den Motor zu zerstoeren und an der Lenkung etwas nicht in Ordnug war. Angesichts einer bergigen und kurvigen Strecke, eher unguenstig. Aber zum Glueck hatten wir einen geschickten Fahrer, der einen Unfall vermeiden konnte und uns sicher ins stehen bringen konnte. Angesichts diesen „beinahe Unfalls“ mussten wir aussteigen, es war bereits dunkel geworden… Irgendwann habe wir aber doch noch den letzten Bus nach Bacolod erwischt.

Zuhause bin ich dann todmuede ins Bett gefallen…

 Am Vormittag des 24. Dezembers haben wir mit mehreren Leuten politische Gefangene im Gefaengnis von Bacolod besucht. Die Athmosphaere und Bedingungen da, haben mich zunaechst etwas bedrueckt, was durch meine Magenkraempfe nicht besser wurde…

Abends ging es Bauch und Stimmung dann aber besser und  wir sind zur Familie von einer Freundin Hannahs gefahren und dort in eine katholische Kirche gegangen.

Es hat sich um ein kleines Dorf gehandelt. Nach einer Sekunde hatte uns wohl jeder bemerkt und irgend so ein Wuerdentraeger hat uns persoenlich begruesst, worueber ich mich haette aufregen koennen, da er das offensichtlich nur wegen unserer Hautfarbe tat.

Anschliessend sind wir mit Hilfe von Taschenlampen, ueber Trampelpfade zurueck gegangen und haben gegessen. Da wir alle sehr muede waren und Weihnachten hauptsaechlich aus Kirche besteht, sind wir schnell ins Bett gegangen. Ich bin auch waehrend der Messe beinahe schon eingeschlafen, wollte es als wie andaechtiges beten aussehen lassen, aber Daniel und Hannah haben mich durchschaut!

Beim Essen wurden wir von einer Nachbarin begleitet, die alleine war und ihre Tochter vermisst, die mit ihrem Ehemann „in die Berge gegangen ist“ und sich den „Rebellen“ angeschlossen hat. Ihr Mann wurde verschleppt, wo sie sich aufhaelt weiss keiner. So holt einen die Realitaetb eines Buergerkrieges doch immer ein.

Am 25. Dezember sind wir dann nochmal auf eine Hacienda gefahren und haben bei einer sehr netten Familie gewohnt! Da diese direkt am Meer lag, haben wir auch die Delikatessen wie Krebse, Muscheln und Schnecken kennen gelernt. Frisch vom Strand aufgesammelt und besonders letzters hat mich eher geekelt. Beim Essen eines Krebses kam bei mir im Mund auch nicht viel an, was fuer Belustigung sorgte. Fuer mich bestand alles aus Schale und ich war total ueberfordert. War darueber aber eher froh, besonders da wir vorher eine leckere Kokusnuss gegessen hatten und einem die Krebse (genau wie die Fische) halt noch angucken….

Unser Schlafpklatz war direkt ueber dem Schwein und Haehnen (fuer Hahnenkampf heran gezuechtet). Dachte morgends jetzt wirds geschlachtet, so sehr hat es gequietscht!

Die Arbeitsbedingungen der Menschen waren aber auch hier sehr hart, da nach 8 Stunden wirklich harter Arebit, noch nichtmal immer Mahlzeiten fuer die Familie garantiert sind und der Landbesitzer keine Arbeitsgeraete zur Verfuegung stellt. So muessen die Menschen auf ihre Macheten und teilweise Wasserbueffel zurueckgreifen.

Die Toilette befand sich im Feld, was ich ueberhaupt kein Problem fand, bis ich mir eingeredet habe dass es bestimmt giftige Schlangen und Spinnen gibt….aber das Problem hatte ich nur bei Dunkelheit! Auch beim duschen am Brunnen in Kleidung (Badeanzug ist nicht drin) hab ich mich zunaechst eher ungeschickt angestellt, auch wenn ich so langsam lerne….

Am letzten Abend hat unser Gastgeber uns gebeten uns in seiner Bibel zu verewigen. Das war irgendwie sehr ruehrend, besonders da er mir auch noch sorgfaeltig alte Schuhe repariert und geschent hat, da meine Sandalen gerissen waren.

Auf dem Weg zurueck nach Bacalod sind wir an einer anderen Hacienda vorbei gekommen und waren bei sacadas oder migrant worker, die nicht fest zu einer Hacienda gehoeren, sondern auf der Suche nach Arbeit von Hacienda zu Hacienda ziehen muessen. 65 Menschen haben zusammen in einer einraum Bambushuette gewohnt, konnte mir die Anzahl der Menschen darin gar nicht wirklich vortsellen!

So, entschuldigt die Laenge des Berichtes. Morgen fahren wir nach Panay um dort Silvester zu feiern und dann am ersten dann nach Boracay, eine kleine Insel mit angeblich den schoensten Straenden hier….

Ich hoffe ihr kommt auch alle gut ins neue Jahr und wuensche euch alles Gute fuer 2008!

Maayong Habpon and Merry Christmas!

Dezember 22, 2007

Also jetzt nochmal ein Anlauf: Viel haben wir in den vergangenen Tagen erlebt, haben viele Menschen getroffen und waren ueberall Willkommen!

Gerade haben wir eine Sms erhalten, die stell ich mal nach vorne, soll uns wahrscheinlich ermutigen, beschreibt aber auch erlebtes gut:

Always remember, LIFE is never without a problem, never without difficulty, never without hurtful moments and peace and freedom never without fighting for it“

Das kann man wahrscheinlich interpretieren, wie man will und finden wie man will, auf die Philippinen bezogen, scheint es aber fuer viele Menschen die Wirklichkeit. 

Viele Menschen die wir treffen fuehren einen unbewaffneten Krieg gegen Militaer, Toetungen, Unrecht, Hunger und fuer Schulbildung oder auch einfach nur um zu ueberleben und mit Hilfe einer Art Gewerkschaft einige Rechte, die selbstverstaendlich sein sollten zu erkaempfen und werden teilweise deswegen bedroht.

Die beiden letzten Tage waren wir bei Reis- und ZuckerarbeiterInnen auf einer Hacienda. Erstmal schiel alles wie ein Dschungel-Paradies: Bambushuetten, Palmen, Bananen , Kokosnuesse, lachende Kinder, freundliche Menschen…

Angekommen sind wir mit einem Truck voller Lebensmittel, der an die Menschen vertreilt wurde, da sie an den Auswirkungen des Sturmes leiden.

Bald konnten wir mit den Menschen ins Gespraech kommen. Sie erzaehlten von ihrem Alltag: Sie arbeiten auf einer riesigen Farm und werden im Akkord bezahlt, weit unter dem, was eine familie braeuchte.

Das fuehrt dazu, dass sie sich Geld leihen muessen, manchmal vom Grossgrundbesitzer selber, der so gut wie nie interessenlos ist, manchmal muessen auch die Kinder die Schulden abarbeiten…

Lehnen sie sich zu sehr auf, bekommen sie (wie in einem Fall) keine Arbeit mehr und muessen sich vor dem Militaer fuerchten, da der Landbesitzer Kontakte zu Regierung und Militaer pflegt. Dabei war das Land, welches sie zur eigenen kooperativen Nutzung fordern, ihnen schon zugestanden worden.

Jetzt haben die betroffenen Familien kein Geld fuer einen Arzt oder Medizin, fuer die Tochter die an Hepatitis leidet, und ob die kleineren Geschwister zur Schule gehen koennen, ist taeglich aufs neue vom Geld fuer den Schulweg abhaengig….

Aber auch sonst besuchen die wenigsten Kinder Schulen nach der Grundschule.

Und dennoch gerade hier, hat es uns gewundert und gefreut zu sehen, wie die Menschen sich mehr und mehr ihrer Situation bewusst werden, und sich beginnen zu organisieren.

 Und natuerlich war auch hier bemerkenswert, wie freundlich wir aufgenommen werden und wie froehlich und hoffnungsvoll die Menschen trotz allem sind!

An beiden Abenden fand eine solidarity night statt und die Menschen sangen (besonders Lieder ueber ihre Situation, Frauenrechte etc…),tanzten (Ausdruckstanz) und verkuendeten uns Dank, dass wir sie besuchen und ihre Situation wahrnehmen. Auch wir mussten eine Darbietung zum Besten geben. Es gab “ Die Moorsoldaten“ und „Spaniens Himmel“ , alle hatten sehr viel Spass.

Waehrend unserer letzten Tage in Manila (jetzt sind wir auf Negros, im Moment in Bacolod bei Hannah), wurden wir von einer Gemeinde betreut.

Kirche gehoert hier halt unbedingt dazu. Auch vor den solidarity Botschaften wurde selbstverstaendlich gebetet und die Nationalhymmne gesungen. Fuer mich eher unverstaendlich, verurteilten die Menschen doch ihre Regierung so stark. Die Frage, ob es Menschen gibt, die keiner Religion angehoeren, wurde zumindest auf dem Land gar nicht verstanden.

Aber zurueck zu Manila:

Nach einem Gottesdienst am 4. Advent, bei dem Daniel irgendwann richtig kommentiert ha: „ Jetzt feieren sie eine Party“, sind wir zu einer anderen Gemeinde (mit etwas weniger wohlhabenden Mitgliedern) gegangen. Dort haben wir eine Einfuerhrung ueber die Slums in den Philippinen bekommen und nach einem Krippenspiel, waren wir bei einer Familie in einem Slum eingeladen. Hier gab es fuenf Toechter und einen Enkelsohn. Die Famile ist nach Manila gezogen, um den Toechtern eine Schulbildung zu ermoeglichen, da sie aif dem Land dazu keine Moeglichkeit mehr hatten.

Dies gelingt ihnen auch, aber dafuer leben sie in sehr engen und aermlichen Verhaeltnissen. Aber Daniel und ich haben uns sehr wohl gefuehlt, unter ihnen! (Sie sind auch immer noch besorgt und schreiben SMS ob es uns gut geht!) Auch wenn sie am Anfang fast etwas beschaemt waren uns nicht mehr bieten zu koennen, was uns wiederum beschaemt hat, arbeiten sie doch wesentlich mehr und haerter als wir.

Aber wir hatten einen schoenen Abend mit ihnen, die Toechter bluehten alle richtig auf und wurden fast albern. Wir hatten alle viel Spass!

Am naechsten Tag haben wir die Eltern noch kurz zu iherer Arbeit begleitet, sie verkaufen Brillen und Portemonasies auf dem Buergersteig. Sehr anstrengend, wie wir gemerkt haben!

Am Abend gab es dann von einer Vorschule, die fuer die Kinder des Slums billig gehalten wird, eine Weihnachtsauffeuhrung. Besonders ihr Lied „Happy Birthday Jesus“ geht uns immer wieder im Kopf herum….Weihnachten wird wohl eher eine Party als ein besinnliches Fest!

Die darauffolgende Nacht waren wir in einer philppinischen Mittelstandsfamilie eingeladen, wie es wahrscheinlich auch viele gibt und deren Haus sich nicht wesentlich von unserem Lebensstandard unterscheidet. Der Preis den die Familie  zahlt, ist, dass die Eltern seit die die aelteste Tochter drei ist, im Ausland leben und arbeiten und nur einmal im Jahr fuer zwei Wochen Urlaub kommen. Diese Tochter zieht jetzt wiederum ihre Nichte gross, weil auch deren Mutter im Ausland arbeiten muss (sie selbst arbeitet als Lehrerin). 

Aber auch diese Familie war insgesamt sehr positiv denkend und trotz allem dankbar, dass es ihnen noch so gut geht!!!!

So habe ich hier viel schoene Momente erlebt und bin beeindruckt von der Froehlichkeit und Zuversicht der Menschen, trotz schwieriger Situationen.

Ich muss mich beeilen, um noch einzukaufen und da Internetcafe ist auch viel zu kalt! Daher entschuldigt holprige Grammatik und Rechtschreibung.

Ich wuensche euch allen eine Frohe Weihnachten!

Balayat! aus Bacolod…

Dezember 22, 2007

„Balayat“ (es ist moeglich, dass man es anders schreibt) heiszt leider nicht „Hallo“, „Liebe Gruesze“ oder „Frohe Weihnachten“, „balayat“ ist nur das Wort, dass man dem Jeepney/Fahrer sagt, wenn man das Fahrgeld nach vorne reicht und gleichzeitig ist es das einzige Wort aus einem der Zahlreichen philippinischen Dialekte, das mir gerade einfaellt…

Ich sitze in einem Internetcafe in Bacolod, einer Stadt auf Negros, der Zucker-Insel der Philippinen. Hier ist ziemlich viel verboten, Computerspielen waehrend der Schulzeit z.B., Zuschauer genauso und das Viewing of pornographic materials. Hatt ich eh nicht vor, es kann also losgehen.

Die letzten Tage ist viel passiert, die Rekonstruktion faellt einigermaszen schwer. Sonntag mittag fahren wir essen in einer der schicksten Malls Manilas, es geht vorbei an Gated Communities, also Stadtvierteln, die abgesperrt sind und in die nicht jedeR hineinkommt, vorbei an den Rotlichtvierteln der Touristen. Nachmittags dann der Kontrast: Es geht nach Cubao, einem Stadtteil, der gepraegt ist von der gigantischen Stadtautobahn, die sich durch ihn hindurch schlaengelt. Hier werden wir die naechsten beiden Tage verbringen und versuchen, uns der Situation der Urban Poor in den Philippinen zu naehern.

29 000 000 Menschen werden in den Philippinen zu den UPs gezaehlt, also mehr als ein drittel der Gesamtbevoelkerung, es gibt 200 000 Straszenkinder. Sie kommen in der Regel aus den Provinzen, weil sie sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen. Farina und ich wohnen fuer einen Abend und einen halben Tag bei den Caleezas. Max war Beamter in einer kleinen Gemeinde im Sueden der Philippinen, bis er vor fuenf Jahren nach Manila gegangen ist, weil er auf dem Land seinen Kindern keine Schulbildung haette ermoeglichen koennen. Um zu seinem Haus zu kommen, gehen wir durch mehrere Hinterhoefe, vorbei an anderen, winzigen Behausungen, Huehnern, Katzen, etlichen Kindern. AUf der Schwelle der Huette der Caleezas ist eingeritzt: “God save our home“. Our home, das sind in diesem Fall ca. 18 quadratmeter fuer 9 Personen: Die Eltern, die fuenf Toechter, der Ehemann und das Kind der aeltesten Tochter. Wir setzen uns auf die einzige Bank in der Kueche/Schlafzimmer/Wohnzimmer. Sofort werden wir von den fuenf Toechtern mit Fragen bombardiert, Zurueckhaltung sieht anders aus, Unfreundlichkeit auch, sie huepfen aufgeregt um uns herum, Gespraechsthemen sind unsere Groesze, meine Nase, unsere Familien…und der Lebensstandard in Deutschland. Farina und ich schauen uns unsicher an, das bleibt natuerlich nicht unbemerkt: „So there is no life standard?“. Ich versuche das zu umgehen, indem ich von meiner Familie rede.

Am naechsten Tag gehen wir mit den Caleezas zur Arbeit, sie verkaufen Sonnenbrillen und Geldbeutel am Highway. Am Tag davor hat sich Farina noch eine Sonnenbrille in einer Mall gekauft, haetten wir das gewusst. Frau Caleeza verdient mit den Brillen am Tag 250 Pesos, Max ca. 100, zusammen also knapp 6 Euro. Die Regierung geht davon aus, dass eine Familie am Tag ueber 600 Pesos braucht, und zwar allein fuer die Ernaehrung. Der Ehemann von Gang Gang, der aeltesten Tochter, arbeitet bei Kentucky Fried Chicken und bekommt 500 Pesos am Tag, damit kommen sie wohl ueber die Runden. Alle Toechter gehen noch zur Schule, was bei Schulgebuehren und Kosten fuer Uniform etc. hier eher selten ist. Max entschuldigt sich bei mir, dass er keine Klimaanlage in seiner Huette hat. Er lacht. Ich versuche ihm zu erklaeren, dass ich groszen Respekt vor seinem Leben habe, vor seiner Entscheidung, in den Slum nach Manila zu gehen, um seine Toechter zur schule schicken zu koennen, dass er fuer seine Armut nichts kann und ich nichts fuer meinen reichtum getan habe und dass es wichtiger ist, ob man ein guter Mensch ist, und dass ich sehe, dass er tolle Kinder hat und sie uns so offen empfangen haben…ich stottere rum. Er lacht. 

Sie erinnern mich an meine eigene Familie und so tut es umso mehr weh, zu sehen, in was fuer einer Scheisze sie leben muessen.

Wenige Tage spaeter sind Farina und ich auf der Insel Negros, wir verlassen Bacolod auf einem Lastwagen in Richtung eines der kleinen Doerfer vor der Stadt. Hier wohnen die Sugar Workers und Reisbauern, und es faellt uns schwer, angesichts der romantischen Pfahlbauten, der im Flusz badenden Wasserbueffeln und der Ruhe nach dem hektischen Manila, nicht zu sehr in Urlaubsstimmung zu verfallen. Es gelingt uns nicht, trotz der schrecklichen Situation auch hier: Die Sugar Workers arbeiten auf einer Hacienda, also auf einem Groszgrundbesitz. Sie muessen sich jeden Tag neu um Arbeit kuemmern, kriegen, je nachdem welche Arbeit der Zucker-Anbau gerade zulaesst, zwischen 50 und 100 Pesos am Tag, das aber nur zwei bis dreimal pro Woche, 26 Wochen im Jahr. Den Rest sind sie arbeitslos, machen bei den Landbesitzern Schulden, einige sind sogar gezwungen, ihre Kinder zu verkaufen. An Schulbildung ist hier nicht mehr zu denken, an Arztbesuche eher auch nicht, 3 Mahlzeiten am Tag sind ein realistischeres Ziel. Wir treffen einen Mann, der sich nicht leisten kann, seine Tochter behandeln zu lassen, sie hat Hepatitis. Ich muss an meine Impfungen vor meiner Reise denken und an die Scherze, die wir darueber gemacht haben…hier ist es jetzt nicht so lustig. Das Land, dass der Gemeinde des Mannes gehoert hat und auf dem Bananen und irgendwelche Wureln angebaut wurden, um die Familien in den Monaten, in denen es keine Arbeit gibt, zu ernaehren, hat gerade der Groszgrundbesitzer an eine chinesische Firma verkauft, die dort jetzt Sand abbaut. Sie schenken uns Kokosnuesse und andere Sueszigkeiten, bedanken sich fuer unseren Besuch. „Wollt ihr meine Tochter sehen?“ Wir wollen nicht, wir koennen es uns vorstellen. Ein Junge wird zu mir gezerrt, er heiszt auch Daniel, ist 13, muss auf dem Feld helfen und hat sich am Morgen mit einer scharfen Machete in den Arm geschlagen. Fuer eine Tonne Zuckerrohr bekommen die Sugar Workers bei der Ernte 120 Pesos, zwei Euro. Die Menschen arbeiten gleichzeitig auf den Reisfeldern, wenn sie 10 Saecke Reis geerntet haben, duerfen sie einen behalten, Geld gibt es keines.

Wir werden wieder unglaublich freundlich empfangen, wir sind wieder Exoten (Unsere Groesze, meine Nase). Manchmal fuehlen wir uns wie im Zoo, wenn sich Kinder in unsere Naehe setzen und uns einfach beobachten. Gucken wir sie an oder sage etwas zu ihnen, lachen sie sich tot.

Unsere Begleitung ist von der National Federation of Sugar Workers und in zig anderen Organisationen, wir verlieren den Ueberblick. Auf jeden Fall versucht sie, die Menschen hier zu organisieren, an den beiden Abenden, die wir in den Barangays verbringen, tut sie das durch „Solidarity Nights“, so etwas aehnliches wie Weihnachtsfeiern (wir hatten bisher 3), nur mit anderen Liedern. Die Filipinos haben auszerdem eine Vorliebe fuer Ausdruckstanz, naja. Und eine Vorliebe, ihre Gaeste aus Germany waehrend der Solidarity Night zu ueberrumpeln. Wir halten eine Solidarity Speech und singen „Die Moorsoldaten“. Mit maeszigem Erfolg: Beim Singen hoert Farina zum ersten Mal mein stimmliches Talent und kann sich das Lachen nicht verkneifen, ich ziehe aber ruecksichtslos durch. Am naechsten Tag werden wir ueberrumpelt, als wir bei einer Versammlung der NFSW oder einer Partner/Unterorganisation ans Mikro zitiert werden und unsere Gedanken zu ihrer Situation erklaeren soll. JedeR kann was, ich kann politischen Pathos, wir kriegen es hin, auch bei der zweiten Solidarity Night unser Einsatz mit „Spaniens Himmel„, vor doch immerhin 100 Zuschauern, wahrscheinlich 60 Kinder. Die Menschen kommen zu uns, bedanken sich, dass wir Zeugen ihrer Situation werden. Ich fuehle mich von der Situation ueberfordert.

Gerade bekommen wir eine SMS, „hi Miss Farina, I am Lorelyn, Can you be my friend?“ Wir koennen uns kaum noch erinnern, wer Lorelyn war…

(Gerade kam die freundliche Internet-Cafe Frau und loggte uns ausversehen aus. I like wordpress und seine automatische Speicherfunktion, eher unschoene Worte verlieszen schon unsere Lippen…)

„In the Philippines, we eat every part of the chicken.“ (Muss gerade mal recherchieren, was Verstopfung auf englisch heiszt, fragt nicht warum)

Daniel

Cleanliness is next to godliness – Erste Eindruecke aus Manila

Dezember 15, 2007

Oi, Oi aus Manila.

Jetzt bin ich also auch Blog-Wart, ob erfolgreich und interessant ist eine andere Frage. Aber lest selbst…(Ich schreibe glaub ich oft in Wir-Form, hab das aber nicht von Farina autorisieren lassen)

Seit drei Tagen sind wir nun in Manila, so langsam fangen wir an, uns an die Stadt und die Besonderheiten zu gewoehnen. Vor allem der erste Tag war doch ziemlich verstoerend, allein die Fahrt vom Flughafen: Unglaublicher Verkehr, ueberall Jeepneys (eine MIschung aus Jeep und Bus) und Gehupe, Gehupe, Gehupe. Auszerdem Gehupe. Wir fahren vorbei an den ersten Slums, ein Teenager drueckt sein Gesicht an die getoente Scheibe unseres Toyota-Vans und bittet um Geld. Unser Fahrer Mhehl sagt, wir sollen ihm nichts geben, wir sind Linke, wir sind reich, wir tun natuerlich, was Mhehl sagt. „Es sind zuviele“ „Das aendert sowieso nichts“ „Wenn wir einem etwas geben, kommen alle anderen und wollen auch etwas“ – Die Diskussion wird uns die naechsten Tage begleiten, wenn Kinder irgendwas von „Americano“ singend und klatschend hunderte Meter neben uns her laufen, wenn ein Kind Farinas 0,33l Wasserflasche will, usw. Jetzt haben wir beschlossen, am letzten Tag vor der Abreise die Rest-Pesos zu verteilen, so faellt zumindest im Moment das „No“-Sagen leichter. Nach den Slums kommen Haeuser, die eigentlich auch wie Slums aussehen, aber der Begriff ist ja schon durch die Blechhuetten besetzt…

Unsere Unterkunft erleichtert uns dann etwas, das UCCP SHALOM CENTER (Mail to: shalom88@…nanu?) ist nicht so schlimm christlich wie gedacht, auch wenn in der Hausordnung zu lesen ist: Cleanliness is next to godliness. Die Klima-Anlage schaltet Mhehl sofort auf die hoechste Stufe, als er mir mein Zimmer zeigt, als er weg ist, schalte ich sie direkt ab. Nach 14 Stunden Flug muss das ja nicht auch noch sein. Nach einer halben Stunde schwitzen schalte ich sie wieder an. Nach 14 Stunden Flug ist das jetzt auch egal. Mein Zimmer heisst Arabah nach einem Tal, in dem die Israeliten beim Auszug aus Aegypten Pause gemacht haben, der Bewohner wird aufgefordert, die Rolle der UN waehrend seines Besuchs zu reflektieren. Das die UCCP eine sehr politische Kirche ist, faellt uns dann auch auf, als wir uns mit unserer Ansprechperson hier in Manila treffen. Sie ist Christin, glaubt aber v.a. an das „Life after birth“ und versucht die Situation der Aermsten in Manila zu verbessern. Ohne Massenbasis keine Veraenderung, sagt sie (sagt meines Erachtens auch Rosa Luxemburg…). Auch ansonsten redet sie sehr offen ueber die Situation in den Philippinen: 7 ihrer KollegInnen wurden in den letzten Jahren vom Militaer ermordet.

Beim Laufen durch die Altstadt Manilas (Intramuros) werden wir angestarrt, ueberall Haendler, Pferdekutschen, Fahrradtaxis, nur keine Touristen. Umso haeufiger werden wir angesprochen, aber nicht nur von Haendlern: Auch die anderen BewohnerInnen sind offensichtlich erstaunt, uns hier zu sehen, v.a. Kinder koennen ihre Verwunderung kaum verbergen. Immer wieder kommt es vor, dass sie stehen bleiben und uns mit offenen Muendern nachstarren. Mittlerweile koennen wir darueber aber lachen. Ich werde oft gefragt, wie gross ich bin, LKW Fahrer lachen sich tot, wie wir versuchen, 4 spurige Straszen ohne Ampel zu ueberqueren und rufen „Hey Joe“ – Hier sind wir alle Amerikaner.

Der Geruch Manilas ist nicht so angenehm, krasser Smog, und ueberall wird etwas gebraten, was einfach widerlich stinkt, egal was es ist (wir haben noch nicht rausgefunden, woran es liegt). Dafuer gibt es hier koestliche Bananen zu kaufen, in einer Art Honigmantel gebraten oder so (ich gestehe meine kulinarische Ahnungslosigkeit), ich koennte mich hineinlegen. Die Mangos, die wir kaufen, schmecken aber wie sehr saure Aepfel, am Ende sind das gar keine Mangos.

Heute begann dann nach der Jet-Lag Pause unser eigentliches Programm. Wir waren bei einer Weihnachtsfeier von Obdachlosen, veranstaltet von eben jener UCCP. Ich war etwas nervoes, schlieszlich sind uns Obdachlose in den letzten tagen zu oft begegnet. Die kindliche Froehlichkeit und Freundlichkeit, das Interesse uns gegenueber hat mich dann aber sehr ueberrascht. Die Weihnachtslieder wurden mit groszem Engagement gesungen, staendig wird geklatscht und gelacht, vor allem die Ausgelassenheit bei so bescheidenen Spielen wie Reise nach Jerusalem (Farina hat sich nur sehr, sehr maeszig geschlagen, meine Leistung beim irgend-ne-exotische-frucht-ueber-loeffel-im- mund-weitergeben-in-natuerlich-geschlechtergetrennten-mannschaften-waer-ja-noch-schoener war wesentlich bemerkenswerter) war ziemlich beeindruckend. Ein Kind sollte seiner Mutter die Geschenke-Tuete hertragen, die Tuete war aber zu schwer, das Kind bekam darueber einen richtigen Lachanfall. Ich weisz nicht, ob es mir gelingt, die Atmosphaere etwas herueberzubringen, Farina und ich waren sehr bewegt.

Morgen beginnt unser zwei-taegiges Exposure in einem der Slums von Manila. Wir sind etwas nervoes, ob wir es schaffen werden, nicht die Abenteuer-Elends-Touristen zu sein, sondern wirklich was ueber die Leute zu lernen und ihnen vielleicht mehr geben zu koennen als unsere Wohlstands-Mitbringsel. Es wird sicher nicht leicht.

Kontakte zur lokalen Antifa konnte ich noch keine knuepfen…kommt aber noch, bin mir sicher.

Liebe Gruesze ans Ende der Welt (alles eine Frage der Perspektive) – There is a light that never goes out

Daniel

Manila

Dezember 15, 2007

so, fast drei Tage sind wir nun schon in Manila. Fuehle mich mit der Aufgabe eines Blogs (die ich mir selbst gegeben habe) ploetzlich doch ueberfordert, werde es aber mal versuchen…
Am ersten Tag war ich wohl noch ziemlich ueberfordert mit der Stadt, meiner Muedigkeit und der ganzen Situation.

Die Stadt war laut hektisch und ich habe mich kaum getraut alleine auch nur eine Einbahnstrasse zu ueberqueren. Ampeln werden hier eher als Dekoration wahrgenommen und so haben wir uns meistens an BewohnerInnen der Stadt gehaengt, die seelenruhig zwischen den hupenden Autos die Strassen ueberqueren.

Aber mittlerweile entwickeln wir langsam eigene Strategien und (mehr oder weniger) eine eigene Gelassenheit. Auch wenn es manchmal immernoch ungewohnt ist, als Europaeerin angestarrt zu werden. Aber es kommen auch viele lustige Kommentare. (Daniel wird haeufig nach seiner Groesse gefragt!)

Und so gut wie alle Menschen begegnen uns hier mit einem Laecheln.

Heute waren wir auf einer christmas party fuer StrassenbewohnerInnen eingeladen. War sehr schoen, da die Menschen sehr freundlich waren, uns interessiert und herzlich in ihre Runde aufgenommen haben und scheinbar super viel Spass bei Spielen wie „Reise nach Jerusalem“ und gemeinsamen Singen hatten. ( Ich hab beim Spiel sofort verloren, was auch sehr amuesant fuer die Anwesenden war :-) !)

Hatte vorher etwas Sorge, dass ich oder die Menschen dort meine Anwesenheit als sensationluestig wahrnehmen wuerden, diese wurde aber nicht bestaetigt. Ich fand es eher bereichernd mich unterhalten zu koennen und diese Familien in so einer ungezwungenden Athmosphaere zu erleben, da die Wohn- und Lebenssituation vieler hier lebender Menschen mich schon auch etwas ueberfordert hat und ich nicht wusste und nicht weiss, wie ich mit der grossen Armut der ich hier begegne umgehen soll (diese Frage laesst sich wohl auch nicht beantworten!). Noch auf der Fahrt vom Flughafen, kommen wir an Slums vorbei, Blechhuetten, die ueber Muell errichtet sind, der sich in einen Fluss ergiesst, ein bettelnder Teenager, der an die Scheibe klopft, der wohl gut gemeinte Kommentar, ich solle ihn ignorieren, Kinder, die, als wir die ersten Schritte allein in Manila machen, fuer uns singen um so Geld zu verdienen, Familien, die auf der Strasse schlafen und leben…..

Eher erschuetternd empfinde ich auch die mir nicht ganz fremden Berichte ueber, „political killings“ und den vielen MigrantInnen die die Philippinen taeglich verlassen muessen, um im Ausland fuer sich und ihre Familien Geld zu verdienen. Und trotzdem scheinen die Menschen mit denen wir uns bisher unterhalten konnten freudig und hoffnungsvoll zu sein und den Mut nicht auf zu geben.

Von daher sind viele Begegnungen hier auch fuer mich bereichernd und ermutigend.

Philippinen

Dezember 4, 2007

Am nächsten Mittwoch werden wir auf die Philippinen fahren. Äußerst unregelmäßig und wenn überhaupt und versprochen wird sowieso nix werden wir hier über unsere Erlebnisse berichten. Falls es jemanden interessiert…

Farina und Daniel


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